Abstract
Diese klinisch motivierte Arbeit analysierte die Vergleichbarkeit der
Signalqualität
eines alternativen Schwämmchen-EEG-Systems (sp-EEG) mit einem
konventionellen
EEG-System (c-EGG). Grundlage für diesen Vergleich war die qualitative
und
quantitative Analyse physiologischer Graphoelemente. Darüber hinaus
wurde die
Applikationszeit gemessen und verglichen.
Es wurden bei elf Proband:innen mit beiden Systemen nacheinander eine
Routine-
EEG-Untersuchung durchgeführt. Die Dauer der Applikationszeit wurde
gemessen
vom ersten Kontakt der Elektroden/Kappe mit der Kopfhaut, bis zu dem
Zeitpunkt, in
dem alle Elektroden adäquate Impedanzen aufwiesen (kleiner 100 kOhm für
das sp-
EEG und kleiner 20 kOhm für das c-EEG). Die 22 resultierenden EEG-Kurven
wurden
von sieben erfahrenen Neurolog:innen qualitativ auf physiologische
Graphoelemente
untersucht und es wurde die Frage gestellt ob man Anhand der
vorliegenden Kurven zwischen sp-EEG und c-EEG unterscheiden könne.
Quantitativ wurde bei einem
Proband Photic Driving mittels Power-Spektrumsanalyse nachgewiesen, für
alle
Proband:innen wurde das Signal-Rausch-Verhältnis (SNR, englisch
signal-to-noise-
ratio) berechnet und zwischen den EEG-Systemen verglichen.
Die sieben Neurolog:innen konnten in beiden Systemen alle untersuchten
physiologischen Graphoelemente erkennen (Verlangsamung nach
Hyperventilation,
Photic Driving und Berger-Effekt) (s. Abbildung 11, Abbildung 12,
Abbildung 13) und
sie konnten nicht zwischen den beiden Systemen differenzieren. Für einen
Probanden
konnte exemplarisch Photic Driving mittels Power-Spektrumanalyse
nachgewiesen
werden (s. Abbildung 16). Die SNR unterschied sich nicht signifikant
zwischen beiden
Systemen (p = 0,96) (s. Abbildung 17), weshalb angenommen werden kann,
dass
beide Systeme adäquate Aufzeichnungen liefern.
Das sp-EEG konnte im Mittel 7,81 Minuten schneller angelegt werden (s.
Abbildung
19) und wurde von Anwender:innen und Proband:innen als komfortabler
beschrieben.
Aufgrund der gleichwertigen Signalqualität und der schnelleren und
einfacheren
Anwendbarkeit stellt das sp-EEG eine Alternative zum c-EEG in der
Routinediagnostik
dar. Durch die deutlich verkürzte Applikationszeit könnten mehr
Patient:innen Zugang
zu einer Routineuntersuchung bekommen und wegweisende Diagnosen
gestellt
werden. Durch die einfache Anwendung scheint das sp-EEG auch neben der
Routinediagnostik in Notfallsituationen geeignet zu sein (Günther &
Schuster et al.,
2023).